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«Fragen & Antworten»

Jede Situation ist anders und Menschen reagieren je nach Persönlichkeit individuell darauf. Und doch tauchen bei vielen Leitenden von Jugendlichen ähnliche Fragen auf. Unter «Fragen & Antworten» veröffentlichen wir deshalb Beispiele von Online-Beratungen.

Die publizierten Fragen sollen aufzeigen, mit welchen Anliegen sich Ratsuchende an die Pro Juventute Jugendleiter-Beratung wenden. Vielleicht finden Sie unter den Antworten auch gleich hilfreiche Antworten und Tipps für Ihre eigene Tätigkeit.

Die Online-Beratungen werden so anonymisiert, dass keine Rückschlüsse auf Personen und individuelle Umstände möglich sind. Falls Sie einer Veröffentlichung nicht zustimmen, teilen Sie uns dies bitte mit.

Bitte beachten Sie die Nutzungsbestimmungen.

Häufige Fragen in der Jugendleiter-Beratung (anonymisierte Beispiele)

Ich als Vorstandsmitglied weiss von einer Beziehung zwischen zwei jugendlichen Vereinsmitgliedern: muss/soll ich eingreifen?

Ich als Vorstandsmitglied weiss von einer Beziehung zwischen zwei jugendlichen Vereinsmitgliedern: muss/soll ich eingreifen?

Frage:
Ich habe eine Frage bezüglich einer Beziehung zwischen zwei jugendlichen Vereinsmitgliedern, von der ich als Vorstand des Vereins Kenntnis erhalten habe. Wir sind eine Jugendmusik, bei uns musizieren Jugendliche von 13 bis 20 Jahren.

Im letzten Halbjahr hat sich zwischen einer 15-jährigen und einem 19-jährigen eine Beziehung entwickelt. Nach meinem Wissen ist dies vor dem Gesetz nicht zulässig, da das Mädchen sich noch im Schutzalter befindet. Es scheint sich jedoch um eine ernsthafte Beziehung zu handeln. Trotzdem frage ich mich, ob ich als Vereins-Vorstand hier eine Verantwortung habe, besonders da ein Lager bevorsteht.

Antwort:
Sie vermuten ganz richtig. Der Altersunterschied in dem geschilderten Fall beträgt mehr als drei Jahre. Das 15-jährige Mädchen ist bis zum zurückgelegten 16. Altersjahr noch im Schutzalter. Das bedeutet für den geschilderten Fall, dass sich der junge Mann strafbar macht bei sexuellen Handlungen mit dem Mädchen. Als sexuelle Handlung gilt bereits das Küssen. Nach dem 16. Geburtstag des Mädchens steht der Beziehung vom Gesetz her nichts mehr im Wege.

Als Verantwortlicher in der Funktion eines Vereinsvorstands könnten Sie im Vorfeld kommunizieren, wie Sie handeln werden, wenn es zu einem Konflikt mit dem Gesetz kommt. Beispielsweise mit einem Lagerverweis und der Information an die Eltern.

Bei dem von Ihnen erwähnten Fall wäre ein klärendes Gespräch mit dem jungen Mann sicher hilfreich. Viele Jugendliche in ähnlicher Situation wissen nicht, dass sie sich strafbar machen. Dies gilt ganz unabhängig davon, wie ernsthaft die Beziehung ist, weil es sich dabei um ein Offizialdelikt handelt.

Eine Jugendliche hat mir anvertraut, dass sie sich ritzt. Wie soll ich mich als Trainer verhalten?

Eine Jugendliche hat mir anvertraut, dass sie sich ritzt. Wie soll ich mich als Trainer verhalten?

Frage:
Ich leite einen hiesigen Sportverein. In meiner Gruppe trainieren 16 Mädchen im Alter von 16 bis 18 Jahren. Schon seit längerer Zeit fiel mir eine Jugendliche auf. Sie trägt immer langärmelige Shirts.

Vergangene Woche erzählte sie mir den Grund dafür. Sie ritzt sich in die Arme mit einer Rasierklinge seit mehr als einem Jahr. Sie zeigte mir ihre Unterarme mit Narben kreuz und quer übersät. Auch vertraute sie mir an, dass sie sich kaputt und nutzlos fühle. Sie sagte, dass ihre Eltern nichts davon wüssten und sie es ihnen auch nicht sagen möchte.

Wie kommt es eigentlich dazu, dass sich Menschen so selbst verletzen? Können Sie mir sagen, wo sie Hilfe holen und ob ich sie noch zusätzlich unterstützen kann?

Antwort:
Wie schön, dass sich dieses Mädchen aus Ihrem Team Ihnen gegenüber geöffnet hat. Das ist ein wichtiger erster Schritt. Sie vertraut Ihnen und hat gewagt, sich zu zeigen. Gerade in belastenden Situationen ist es sehr wertvoll für Jugendliche, eine Vertrauensperson zu haben, von der sie sich verstanden und ernst genommen fühlen. Gerne schreiben wir Ihnen einige Informationen zum Ritzen.

Ritzen kann als Hilferuf angesehen werden. Die Betroffenen verletzen sich meist bei steigendem Druck und innerer Anspannung. Durch das Ritzen versuchen sie diesen inneren Druck abzubauen und sich selbst zu spüren. Oft fühlen sie während des Ritzens keinen Schmerz. Die Selbstverletzung führt bei ihnen anfänglich zu Erleichterung und Entspannung. Dies wird als «Belohnung» erlebt, weshalb das Verhalten wiederholt eingesetzt wird.

Gleichzeitig wird das Verhalten als Verlust von Kontrolle erlebt, was wiederum Druck erzeugt. So kann ein Teufelskreis entstehen, aus dem es schwierig ist, einen Ausstieg zu finden. Es kann schnell zur Sucht werden und deshalb ist es sinnvoll, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Sie können dem Mädchen aus Ihrem Team helfen, indem Sie sie ermutigen, diesen Schritt zu wagen. Hilfe bekommt sie beispielsweise bei einer Jugendberatungsstelle oder beim KJPD. Eine geeignete Adresse findet sich hier.

Möglicherweise ist sie froh, wenn sie von Ihnen Unterstützung erhält, um sich bei der Beratungsstelle zu melden, denn das ist für die meisten nicht ganz einfach.

Wir hoffen, Ihnen damit weitergeholfen zu haben und wünschen Ihnen und dem jungen Mädchen alles Gute. Sollten Sie weitere Fragen haben oder auf den einen oder anderen Punkt vertieft eingehen wollen, so melden Sie sich jederzeit wieder, auch telefonisch unter 058 618 80 80.

Auch die Jugendliche kann sich sehr gerne jederzeit bei Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 melden: vertraulich, kostenlos und rund um die Uhr unter der Nummer 147 oder per SMS, Mail oder Chat.

Ein Junge aus meiner Jugendgruppe wird zuhause von seinem Vater geschlagen. Wie kann ich ihm helfen?

Ein Junge aus meiner Jugendgruppe wird zuhause von seinem Vater geschlagen. Wie kann ich ihm helfen?

Frage:
Ich bin Leiter einer Jugendgruppe und kürzlich erzählte mir ein Junge, dass er von seinem Vater immer wieder geschlagen werde. Er habe auch schon daran gedacht einfach wegzulaufen. Ich bot ihm an, dass er mich immer anrufen kann, wenn er nicht mehr weiter weiss. Wie kann ich dem Jungen helfen? Gibt es einen Ort wo der Junge hinkann, wenn er wieder Gewalt erleben muss?

Antwort:
Vielen Dank für Ihr Mail. Wir finden es toll, dass sich der Junge Ihnen anvertrauen konnte. Gut, dass er jemanden hat, der ihm in seiner schwierigen Lage weiter helfen will.

Jede grössere Gemeinde hat eine Kinder- und Jugendberatungsstelle. Dort könnte der Junge mit einem Berater zusammen nach Lösungen und Möglichkeiten suchen, die ihm helfen sich zu schützen.

Auf der Webseite 147.ch können Sie den Wohnkanton eingeben und so nach der geeigneten Stelle in der Nähe des Jungen suchen. Oder Sie rufen uns an unter der Tel. Nr. 058 618 80 80, damit wir das Vorgehen besprechen und Ihnen gleich die entsprechenden Adressen heraussuchen können.

Für Kinder ist es oft wichtig, eine Person an ihrer Seite zu haben, die ihnen weiterhilft. Ganz auf sich gestellt kann es schwierig sein, eine Beratungsstelle anzurufen und einen Termin zu vereinbaren und diesen auch noch alleine wahrzunehmen. Es wäre schön, wenn Sie (oder eine andere Person aus seinem Umfeld) ihn da begleiten könnten.

Ein jugendlicher Spieler aus meinem Verein verbreitet Nacktfotos auf whatsapp (Sexting). Welche Konsequenzen hat das für ihn?

Ein jugendlicher Spieler aus meinem Verein verbreitet Nacktfotos auf whatsapp (Sexting). Welche Konsequenzen hat das für ihn?

Frage:
Wir sind ein Sportverein. Unsere Mitglieder sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Letzthin ist mir zu Ohren gekommen, dass ein 15-jähriger Spieler auf whatsapp Nacktfotos verbreitet. In der whatsapp Gruppe sind viele von unserem Sportverein.

Das Gespräch habe ich mit dem Jugendlichen schon geführt, jedoch war ich mir noch nicht im Klaren, welche Konsequenzen dies für ihn haben soll/kann.

  • Erste Frage: Wo finde ich Informationen und
  • Zweite Frage: Kennen Sie einen Workshop zum Thema «Neue Medien», wo Gefahren aufgezeigt werden und vor allem auf Gesetze und deren Folgen hingewiesen wird?

Antwort:
Als Antwort auf Ihre erste Frage möchten wir Ihnen die Informationsblätter von Swiss Olympic empfehlen.

Eine Möglichkeit ist, wichtige Merkblätter mit den Jugendlichen durchzugehen und sie im Verein abzugeben. So wären Vereinsmitglieder, deren Eltern und Leitende auf dem gleichen Wissensstand.

Und zu Ihrer zweiten Frage: Bei Pro Juventute finden Sie unter medienprofis.projuventute.ch Informationen zu solchen Workshops und Antworten auf einige Ihrer Fragen. Allgemeine Informationen zum Thema bieten die Broschüren der Schweizerischen Kriminalprävention.

Ich als Präsidentin wurde über sexuelle Übergriffe in unserem Sportverein informiert. Wie muss der Fall angegangen werden?

Ich als Präsidentin wurde über sexuelle Übergriffe in unserem Sportverein informiert. Wie muss der Fall angegangen werden?

Frage:
Ich bin Präsidentin eines grossen Sportvereins. Ich wende mich mit einem Fall an euch bei dem drei Frauen zwischen 17 und 18 Jahren an mich gelangt sind bezüglich Übergriffe durch einen Trainer (35-jährig). Es könnte sein, dass das Ausmass noch viel grösser ist. Die jungen Frauen wissen von noch mindestens drei anderen, die wahrscheinlich betroffen sind.

Gerne frage ich bei euch um Hilfe nach. Mir geht es in erster Linie um Unterstützung betreffend dem weiteren Vorgehen intern und extern, für die Opfer wie auch für uns als Vorstand und Sportverein.

Wie wird so was aufgearbeitet? Via Polizei? Sollen wir eine sofortige Dispensation verfügen bei diesem Verdacht? Oder sofortigen Ausschluss? Wie kommunizieren wir das am besten?

Antwort:
Ihr Verein wird mit einer sehr unangenehmen Sache konfrontiert und Sie haben in Ihrer Rolle als Präsidentin ausgesprochen vorbildlich darauf reagiert. Sie stellen sich den aufkommenden Fragen; das ist nicht selbstverständlich unter diesen Umständen.

Im Wissen all dieser Vorwürfe ist es sicher nicht einfach, neutral zu bleiben und keine Schuldzuweisungen vorzunehmen. Hier haben Sie als Präsidentin eine zentrale Rolle, denn eine solche Vorverurteilung würde eine erfolgreiche Bearbeitung verunmöglichen.

Wir empfehlen Ihnen, von Beginn weg eine Fachstelle beizuziehen; in Ihrem Fall ist das «Castagna», (castagna-zh.ch) eine auf Übergriffe spezialisierte Stelle. Die betroffenen Frauen können sich auch selbst bei dieser Fachstelle melden, sollte dies im Vorfeld nötig sein.

Grundsätzlich wird empfohlen, keine Gespräche mit den vom Verdacht betroffenen Personen zu führen ohne Einbezug einer Fachstelle. Das kann zu Problemen führen und das weitere Vorgehen erschweren. Auch von Gesprächen mit vermuteten weiteren Betroffenen ist abzusehen. Dennoch ist es wichtig, dass Sie die Ihnen geschilderten Vorfälle schriftlich protokollieren (mit Datum/Zeitpunkt).

Bis das weitere Vorgehen mit der Fachstelle geklärt ist, könnten Sie in Erwägung ziehen, diesem Leiter in den kommenden Trainings eine neutrale zusätzliche Leitungsperson zur Seite zu stellen. Das kann allen Beteiligten Sicherheit vermitteln.

Das weitere Vorgehen intern wie extern wird sich aus der Zusammenarbeit mit der Fachstelle ergeben. Vorher würden wir Ihnen empfehlen, keine Massnahmen zu ergreifen, wie Ausschluss/Dispensation etc.

Auf der Webseite von Swiss Olympic (Sexuelle Ausbeutung) oder auf der Webseite des Bundesamt für Sport (Sexuelle Übergriffe) finden Sie zudem hilfreiche Infos und Downloads. Vermutlich kennen Sie diese Angebote bereits: sie enthalten wertvolle Hinweise, wie das vom Verein geregelt werden kann.

Wir hoffen, dass Sie dienliche Hinweise finden, selbstverständlich können Sie für weitere Fragen oder Klärungen jederzeit auf unserer Jugendleiternummer 058 618 80 80 anrufen.

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